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Starker Standschwinger mit Qualitäten am Boden

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Emil Giger an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2016. Der Appenzeller Emil Giger gehörte in den 80er Jahren zu den Bösesten im NOS-Verband. Im Topform präsentierte sich der Vater von Samuel Giger 1988, wo ihm am Appenzeller, Glarner und Thurgauer drei Kranzfesiege glückten.
Emil Giger (vorne) am Nordostschweizer Schwingfest 1990 in Hausen am Albis gegen den späteren Festsieger Kurt Schneiter. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Vater Emil Giger war es, der seine drei Söhne Emil, Walter und Max jeweils an die Schwingfeste mitnahm. Während sich Walter dem Jodeln verschrieb, fanden Emil und Max rasch Gefallen am Nationalsport. Doch bis bei Emil Giger die ersten Erfolge Tatsache wurden, dauerte es einige Zeit. «Ich war damals in meinen Jugendjahren ein Leichtgewicht. Erst in meinem 20. Altersjahr glückte mir am Appenzeller Kantonalen in Wolfhalden der erste Kranzgewinn.»

Hirnerschütterung in Langenthal
Eine starke Saison zeigte das Mitglied des Schwingklubs Gais im darauffolgenden Jahr, wo er bei allen Einsätzen an Kantonalen und im thurgauischen Sirnach auch am NOS das Eichenlaub einheimste. Dies berechtigte zur Selektion für Langenthal.

Im Duell gegen den Luzerner Peter Widmer zog sich der Appenzeller im sechsten Gang eine Hirnerschütterung zu. «Die Ärzte verboten mir das Weiterschwingen, doch mein Wille gab eine Aufgabe nicht zu. Früchte trug mir dies jedoch keine ein, ich verlor im Kranzausstich beide Duelle.»

Legendärer Samstag
Drei Jahre später in Sion stieg Giger in die Gilde der Eidgenossen auf. Nach zwei Siegen über Heinz Vogel und Urs Suter rang er im dritten Gang Mitfavorit Leo Betschart einen Gestellten ab. Nach dem ersten Tag lag Giger mit drei Siegen und einem Gestellten dicht hinter Ernst Schläpfer, der mit vier Siegen dem dritten Königstitel zusteuerte. Mit einem Sieg im achten Gang über Hans Pfrunder sicherte sich Giger den ersehnten Kranz.

Aus dem dritten Königstitel für Ernst Schläpfer wurde bekanntlich nichts. Trotzdem ist Giger voll des Lobes über seinen Lehrmeister. «Ernst hat uns geformt.» Giger besuchte  oft auch das Training in Herisau, wo er von Schläpfer, Walter Schiess, Niklaus Hörler, Johann Roth und Hugo Cozzio profitierte.

Zum Glück ein Rind
1988 war Gigers erfolgreichstes Jahr. An den drei Kranzfeststarts im NOS-Gebiet trug er jeweils den Sieg davon. Am Thurgauer Kantonalen bezwang er im Schlussgang mit Hugo Cozzio einen Gegner, der ihm sonst nicht in die Finger passte. Am Glarner-Bündner duellierte er sich zweimal mit dem ungekrönten König Eugen Hasler. Im zweiten Gang stellten sie, im Schlussgang siegte der Appenzeller am Boden. «Obwohl ich ein Standschwinger war, viele Gänge konnte ich auch im Bur gewinnen».

In besonderer Erinnerung bleibt Giger der Sieg am eigenen Kantonalen praktisch vor der Haustüre in Teufen. «Als Siegerpreis winkte nicht ein Stier, sondern ein Rind.  Daran verknüpfen ihn bis heute Erinnerungen: «Eine Grosstochter von Siegerrind ‹Karin› wurde 2004 an der nur alle acht Jahre stattfindenden Kantonalviehschau zum Rinderchampion gekürt», weiss Giger voll Freude zu berichten.

Verspäteter Abschied mit Sieg
1989 in Stans folgte der zweite eidgenössische Kranz. Die Truhe vom OK Sion, die Giger im Rang 6b gewann, ziert heute seine Stube im Ausserrhodischen. Im gleichen Jahr stand die Hochzeit an. Zudem konnte Giger in Bühler einen eigenen Betrieb erwerben, was im Herbst mit dem Neubau eines Stalles viel Energie kostete. «In Olten wollte ich mit dem dritten eidgenössischen Kranz abtreten. Dies gelang mir mit fünf Gestellten nicht. So verlängerte ich meine Laufbahn um ein Jahr und trat am Herisauer Herbstschwinget 1993 mit einem Sieg ab.

Stolz ist Giger, dass er alle vier zur damaligen Zeit möglichen Bergkränze, Brünig, Rigi, Schwarzsee und Stoos, in seinem Palmarès hat. Bis auf den Berner Kranz besitzt er auch alle Teilverbandskränze. «Für das Berner wurde ich nie selektioniert», dringt in den Worten Gigers Wehmut durch. Doch was bleibt, sind die schönen Momente. «Das Nordwestschweizer 1987 in Frenkendorf war mein schönstes Schwingfest. Ernst Schläpfer siegte mit sechs gewonnenen Gängen, ich wurde Zweiter. In einem denkwürdigen Kampf bezwang ich im vierten Gang Matthäus Huber.» Im Ausstich reihte er auch den nahezu unbezwingbaren Leonz Küng sowie den Berner Johann Santschi zu den Besiegten.

Die Tränen von Melanie
Später stellte sich Giger im Schwingklub Gais als Technischer Leiter und Präsident sowie im Kantonalvorstand als Jungschwingerbetreuer zur Verfügung. Zweimal, 1995 und 1998, amtete er als Kampfrichter am Eidgenössischen. Freude bereitet dem Landwirt, dass sich drei seiner vier Söhne, Emil, Urs und Samuel, ebenfalls dem Schwingen verschrieben haben. Tochter Andrea spielt Handball bei Brühl St. Gallen. Mit seiner jetzigen Partnerin Judith folgte mit Melanie noch ein zweites Mädchen. Verliert ihr Bruder «Sämi» einen Gang, bringt dies die Jüngste jeweils zum Weinen. Zum Glück für Melanie kommt dies nur ganz selten vor.

Jakob Heer

Redaktion

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