Starker Berner Mittelländer mit guter Bodentechnik

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Berner Walter Stoll an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2016. Mit einem starken Auftritt am Eidgenössischen Schwingfest 1992 in Olten (Rang 5e mit 75,75 Punkten) beendete der Berner Sennenschwinger Walter Stoll seine erfolgreiche Aktivzeit.
Walter Stoll (unten) am Berner Kantonalschwingfest 1987 in Kirchberg im Angriff gegen Johann Santschi. (Foto: zvg)

Es war Nachbar Ernst Tanner, der den überaus kräftigen Burschen Walter Stoll im Alter von 13 Jahren zum Schwingen animieren konnte. Der damalige Präsident des Schwingklubs Schwarzenburg erkannte das grosse Talent des kräftigen Jünglings. Schon bald wurde klar, dass der junge Schwarzenburger sich durch seine körperlichen Voraussetzungen zu einem Standschwinger entwickeln würde. Dass dabei der Kurzzug zu seiner besten Waffe wurde, versteht sich fast von selbst. Wichtig war in den Anfängen ebenfalls, dass die Jungschwingerleiter in Schwarzenburg immer ein Augenmerk auf gute Bodenarbeit hatten und sie bei den Trainings stets viel Zeit in diesen wichtigen Aspekt investierten.

Training intensiviert
Während der Aktivzeit von Walter Stoll entwickelte sich das Schwingen zunehmend zu einem Leistungssport. Als junger Aktivschwinger galt die Regel, ein bis zwei Schwingübungen pro Woche zu besuchen. Kondition, Kraft und Ausdauer wurden damals nicht spezifisch trainiert. Im Nachhinein betrachtet, erwies sich dies für Walter Stoll nicht nachteilig, denn im Schwingkeller trainierten die Schwarzenburger sehr hart, und die Schwünge wurden bis zur Perfektion ausgefeilt.

Nie im Kraftkeller
Nach und nach wurde das Training im Schwingen vielseitiger. Am Ende der Karriere trainierte Stoll fünf Mal pro Woche, wobei konditionelle Einheiten regelmässig da-zugehörten. Einzig im Kraftkeller war der Käser nie anzutreffen. Jedoch nahm der Familienmensch die Dienste eines Mentaltrainers in Anspruch. Vielleicht hätte ein Krafttraining für die Explosivkraft noch mehr gebracht. Dies glich der Mittelländer jedoch durch vollen Einsatz im Schwingkeller aus.

Walter Stoll ist überzeugt: «Das Schwingen ist in den letzten Jahren athletischer geworden.» Allerdings erkennt er im technischen Bereich bei diversen Schwingern Mängel. Aus seiner Sicht braucht es für den durchschlagenden Erfolg mindestens zwei Standschwünge links und rechts, die absolut beherrscht werden müssen.

«Leider wird die Bodenarbeit von vielen Schwingern vernachlässigt», beklagt er. Es gab schon zu Stolls Zeiten Schwinger, die mit Standschwüngen fast nicht zu bezwingen waren. «Mir hat damals die Bodentechnik enorm geholfen», sagt er im Rückblick. Gegen einige schwingkundige Innerschweizer wie Armin Bucher oder Harry Knüsel hatte er aber meistens das Nachsehen.

Drei Kranzfestsiege
Am Baselstädtischen 1986 ging der Stern von Walter Stoll endgültig auf. Mit einer soliden Leistung gelang ihm dort der erste Kranzfestsieg. In demselben Jahr liess er sich in Sitten zum Eidgenossen krönen. Nun war der Schwarzenburger an der nationalen Spitze angelangt. Dass er sämtliche mögliche Teilverbands- und Bergkränze herausgeschwungen hat, erfüllt ihn bis heute mit besonderem Stolz. Darüber hinaus feierte Walter Stoll im eigenen Verbandsgebiet je einen Kranzfestsieg am Oberaargauischen und am Seeländischen.

Glanzvoller Abschluss in Olten
Der Mittelländer bestritt in seiner Karriere unzählige Schlussgänge. Dabei stand er am Berner Kantonalen zweimal in der Endausmarchung. Doch zu seiner Zeit verwehrten ihm Berner Grössen wie Niklaus Gasser, Silvio Rüfenacht, Adrian Käser, Hansueli Mühlethaler und Johann Santschi Tagessiege. Sie standen dem gemütlichen Käser häufig vor der Sonne.

Einen der besten Auftritte hatte Walter Stoll bei seinem letzten Schwingfest, dem Eidgenössischen in Olten. Nach sieben Gängen lag er zusammen mit Silvio Rüfenacht, Jörg Schneider und Daniel von Euw punktgleich an der Spitze. Rüfenacht und Schneider bestritten den Schlussgang. Ihm bot sich die Chance, im Duell gegen von Euw mit einem Sieg und der Maximalnote zum Schwingerkönig aufzuschliessen. Mit einem Gestellten klassierten sich dann beide Schwinger im Spitzenfeld.

Schwingen als Leidenschaft
Das Schwingen hat Walter Stoll auch nach dem Rücktritt als Aktiver nicht losgelassen. Während einigen Jahren amtete er als Technischer Leiter der Schwarzenburger. Dazu stellte er sich während zehn Jahren  als Kampfrichter zur Verfügung 1998 stand er am Eidgenössischen Schwingfest in Bern in diesem Amt im Einsatz.$

Noch heute ist Walter Stoll für Unterstützung zu haben. Jedes Jahr besucht er zudem mindestens zehn Schwingfeste pro Saison.

Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

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