Mit unwiderstehlichem Gammen zum Erfolg

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Hans Thürig an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2008. Beim diplomierten Käsermeister Hans Thürig, der heute mit Gemahlin Brigitte in Möriken eine eigene Molkerei betreibt, wechselten Höhen und Tiefen in bunter Folge. Einmal in Fahrt gekommen, war er kaum zu bremsen. Das war auch am Innerschweizerischen Schwingfest von 1978 in Willisau der Fall, als er den grössten Erfolg seiner kurzen Karriere feierte.
Hans Thürig (rechts) war in den 70er Jahren ein gefürchtetet Standschwinger. (Foto: zvg)

Der dreifache Familienvater wandte sich im Alter von 20 Jahren relativ spät und erst noch rein zufällig dem Schwingsport zu. Im luzernischen Rain, aus welchem Ort die beiden legendären Schwingergestalten Heinrich und Hans Oswald hervorgingen, fand 1973 das gemeinsam von Theo Zurfluh und Josef Bieri gewonnene Luzerner Kantonalschwingfest statt. «Ich steckte damals in der Rekrutenschule und wohnte diesem Kräftemessen als Zuschauer bei», erinnert sich Hans Thürig. Die Zweikämpfe faszinierten ihn. Herausgefordert und ermutigt durch seine stattliche Postur wagte er es, selbst in die Zwilchhosen zu steigen.

Lehrmeister Bruno Stofer
Den Zugang fand der Modellathlet über die Gebrüder Bruno und Edi Stofer beim Schwingklub Surental. Am Beispiel von Kilchberg-Sieger Hans Bühler fehlte es im Verein auch nicht an Vorbildern. Er entwickelte sich bald zum Gammen-Spezialisten. Viele Gänge gewann er mit diesem Hakenschwung.

Den ersten seiner insgesamt zwölf Kränze eroberte Hans Thürig mit 23 Jahren am Luzerner Kantonalen 1976 in Root. Drei Wochen später kehrte er auch vom Rigi-Schwinget kranzgeschmückt heim.

Ein Jahr später gelang ihm am Luzerner Verbandsanlass in Wolhusen der erste von drei Triumphen an Kranzfesten. Zustande kam dieser dank Sieg im Schlussgang über Josef Schnider.

Kein Erfolg am Eidgenössischen
Weniger ruhmreich fiel im gleichen Jahr sein Auftritt am Eidgenössischen in Basel aus. Nach zwei Siegen, einem gestellten und einem verlorenen Gang in der ersten Wettkampfhälfte wurde er am zweiten Tag bei vier Verlustpartien richtiggehend durchgereicht.

Es blieb seine einzige Teilnahme an einem Eidgenössischen. 1980 in St. Gallen musste der Standschwinger nach einer zuvor am Herlisberg-Schwinget zugezogenen Verletzung am Seitenband schweren Herzens auf einen Einsatz verzichten.

Sternstunde in Willisau
Nebst diesen beiden Tiefschlägen erlebte Hans Thürig am Innerschweizerischen Teilverbandsfest von 1978 in Willisau eine seiner berüchtigten Sternstunden. Fridolin Auf der Maur, Richard Heinzer, Hans Loretz, Peter Steiger und im Schlussgang Jost Gabriel beförderte er platt ins Sägemehl. Von Ueli Emch trennte er sich im Anschwingen unentschieden. Der entscheidende Kampf gegen Gabriel dauerte nur gerade fünf Sekunden, was gleichbedeutend mit dem kürzesten Schlussgang in der Verbandsgeschichte war.

Sein jüngerer Sohn Mario sorgte mit seinem Triumph 2006 in Muotathal für eine weitere Premiere an einem Innerschweizerischen. Es ist bis heute das erste Mal, dass Vater und Sohn dieses Teilverbandsfest gewinnen konnten.

Einer von neun Kranzfestsiegern
Der Vollständigkeit halber sei noch der dritte Kranzfesterfolg von Hans Thürig erwähnt, jener am Ob- und Nidwaldner Kantonalen 1979 in Ennetbürgen. An diesem ergab sich nach gestelltem Schlussgang zwischen Hans Kopp und Norbert Stebler die aussergewöhnliche Konstellation von gleich neun (!) Siegern: Neben Kopp und Stebler waren dies auch Hans Loretz, Peter von Weissenfluh, Josef Wyrsch, Paul Arnold, Peter von Gunten, Josef Wicki und eben Hans Thürig.

Daneben setzte sich der Wahl-Aargauer auch noch bei den meisten regionalen Festen auf Luzerner Verbandsebene durch. 1982 beendete der gebürtige Luzerner im Alter von «erst» 29 Jahren seine aktive Laufbahn. Gesundheitliche Gründe und die berufliche Neuorientierung gaben den Ausschlag.

Mit dem Schwingsport bleibt er nach wie vor stark verbunden, nicht zuletzt seiner Söhne wegen. «Meine Frau und ich haben ihnen in jungen Jahren den Weg zum Schwingen geebnet. Über die Erfolge sind wir deshalb stolz.» In der Zwischenzeit haben die Söhne sich vom aktiven Schwingsport zurückgezogen, und trotzdem ist Hans Thürig noch immer sehr aktiv mit der Schwingszene verbandelt.

Autor: Karl Duss

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