Lange Jahre mit viel Erfolg fürs Schwingen gelebt

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Freiburger André Riedo an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2012. Leichtgewicht André Riedo gehörte in den 80er und 90er Jahren zu den erfolgreichen Freiburger Spitzenschwingern. Drei eidgenössische Kränze zwischen 1986 und 1998 zeugen von seiner Klasse.
André Riedo (rechts) im Einsatz am Eidgenössischen 1992 in Olten. (Foto: Archiv Schlussgang)

Fünf Eidgenössische Schwingfeste bestritt der Freiburger Landwirt. Schon bei der Premiere im Alter von 21 Jahren holte er sich in Sion die Auszeichnung. Um den Kranz besiegte er den Innerschweizer Konrad Gut, für den wohl der eidgenössische Kranz gedacht gewesen war. Riedo wog damals «nur» 80 kg. Obwohl er in den nächsten Jahren noch fünf Kilos an Gewicht zulegte, gehörte er weiterhin zu den leichtesten «Bösen».

1989 bestätigte er in Stans seinen Status mit dem zweiten eidgenössischen Kranzgewinn. Wieder verlor er nur einen einzigen Gang und besiegte zuletzt wieder einen Innerschweizer, Hans-Ruedi Ulrich.

Zweimal nahe dran
André Riedo schwang konstant auf hohem Niveau. Dies beweist auch die Leistung am Eidgenössischen 1992 in Olten. Dort erwischte er zwar einen schwachen ersten Tag mit nur einem Sieg. Am Ende fehlte trotzdem nur ein halber Punkt für Eichenlaub.

1995 in Chur verlor der Plaffeier überraschend gegen den Aargauer Peter Schär, den er für den Kranzgewinn platt hätte besiegen müssen. Stattdessen realisierte André Riedo seinen dritten eidgenössischen Kranz 1998 im Berner Wankdorfstadion. Dort wuchtete er im letzten Gang den Schwyzer Walter Betschart auf den Rücken.

Erstaunliche Erfolge
Die Leistungskonstanz des Freiburgers war nicht nur seines geringen Gewichtes wegen erstaunlich. Riedo beklagte ab 1987 immer wieder schwerere Verletzungen. 1996 belegte er am Kilchberger Schwinget nach drei Gängen Rang 3, doch dann riss er sich in einer Schulter mehrere Bänder.

So wollte er nicht zurücktreten. Mit grossem Willen und dem Vorbild von Skirennfahrer Peter Müller kämpfte er sich nochmals an die Südwestschweizer Spitze heran und erreichte 1998 in Bern die erhoffte Krönung.

Als schönsten Erfolg bezeichnet der Freiburger dennoch seinen Brünig-Kranz 1986. Er kam lediglich als Ersatzmann zum Zug, gewann aber vier Gänge und stellte zweimal. «Da habe ich insgesamt 30 Minuten geschwungen», erinnert er sich.

Ausdauer als Stärke
Die Stärke von André Riedo lag in der Zähigkeit. Mit seiner Ausdauer kämpfte er viele Gegner regelrecht nieder. Wenn diese ausgepumpt waren, setzte er oft in der letzten Minute eines Ganges zum Siegeswurf an. Wie Matthias Sempach aktuell agierte der Plaffeier gerne aus der Flanke und war gefürchtet für seinen äusseren Haken. Führte dies nicht direkt zum Resultat, überstieg er seine Gegner im Bodenkampf und drehte sie im Nachsetzen auf den Rücken.

Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an seine Aktivzeit: «Als Leichtgewichter musste ich meine Taktik anpassen. Erst wenn die schwereren Gegner müde waren, konnte ich mit mehr Risiko angreifen.»

Aufs Schwingen gesetzt
Blosser Zufall waren André Riedos Erfolge nicht. Zwar fand er durch seinen ebenfalls erfolgreichen Bruder Roland schon mit zehn Jahren den Weg zum Schwingklub Sense. Doch als Jungschwinger gewann er nur sechs Zweige. Als er mit 16 Jahren aus der Schule kam, wog er bloss 65 kg. Da entschied er sich, zugunsten des Schwingsportes beide Landwirtschafts-Lehrjahre auf dem elterlichen Hof zu absolvieren. Gleichzeitig begann er pro Woche mit fünfmaligem Training. Als Folge davon entwickelte er sich sowohl schwingtechnisch wie körperlich. Mit 19 Jahren feierte er die beiden ersten Kranzgewinne. «Ich lebte für das Schwingen, und das machte sich sportlich bezahlt», blickt der Freiburger Landwirt heute mit Genugtuung zurück.

Einziger Negativpunkt waren die bereits erwähnten Verletzungen, die ihn einige Kränze kosteten. Bei seinem einzigen Stoos-Einsatz landete er nach famosem Beginn im Spital statt vor den Ehrendamen. Schwerer wiegen jedoch die Folgen. Bei der täglichen Arbeit spürt er die lädierte Schulter.

Weiterhin verbunden
Als alleinerziehender Vater und Landwirt hat er heute nicht mehr Zeit, regelmässig Schwingfeste zu besuchen. Dennoch ist er als Vizepräsident des Schwingklubs Sense immer noch eng mit dem Hosenlupf verbunden und verfolgt auch die Resultate intensiv. Während 15 Jahren hatte er seinem Klub als Trainer gedient und stand bis 2004 im Schwingkeller im Sägemehl.

Ein jährlicher Höhepunkt ist der Schwarzsee-Schwinget. Dort stellt er sich jeweils als Helfer in den Dienst. Hingegen fehlt ihm die Zeit, sein Ruderboot am Schwarzsee regelmässig in Bewegung zu setzen.

Wolfgang Rytz

Redaktion

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