Im Schnellverfahren zum eidgenössischen Kranz

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Fredy Odermatt aus der Innerschweiz an der Reihe, sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2015. Der Nidwaldner Fredy Odermatt blickt auf eine gefreute Karriere zurück, obwohl ihn Verletzungen und Erkrankungen zwei eidgenössische Kränze kosteten.
Fredy Odermatt (rechts) am Emmentalischen 1996 in Linden im Kampf mit Schwingerkönig Silvio Rüfenacht.
Die Begeisterung des Vaters fürs Schwingen brachte Sohn Fredy Odermatt ins Sägemehl. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Buochs, fand er mit 12 Jahren Gefallen am Sport in den Zwilchhosen. Als Jungschwinger stellten sich schnell Erfolge ein. «1983 feierte ich zwei Kategoriensiege. Das gab Motivation», erinnert sich der Nidwaldner. Aber sportlich sei bei ihm der Knopf während des ersten landwirtschaftlichen Lehrjahres aufgegangen. Da trainierte er in Küssnacht am Rigi mit Grössen wie Vinzenz Küttel und Hans Pfrunder.
 
Stetige Steigerung
Fredy Odermatt erkämpfte sich den ersten Kranz mit 19 Jahren am Ob-/ Nidwaldner Kantonalfest in Hergiswil. Da der Aufwärtstrend anhielt, qualifizierte er sich zwei Jahre später fürs Eidgenössische in Stans. Nach mässigem Beginn steigerte er sich und benötigte im letzten Gang einen fünften Sieg. Rolf Klarer war aber eine zu hohe Hürde. So feierte der Basler statt der Nidwaldner sein erstes eidgenössisches Eichenlaub.
 
1991 stieg Odermatt in neue Sphären auf. Mit den Bergkränzen auf der Rigi, dem Brünig und am Schwarzsee entwickelte er sich zu einem heissen Eidgenossenanwärter. Aber Verletzungen sowie eine Erkrankung setzten ihn bis Mitte Sommer 1992 ausser Gefecht. Seine Rückkehr im Juli ins Sägemehl fiel beeindruckend aus. Nach einem 2. Platz auf dem Urnerboden gewann er den Frutt- und den Klewenalp-Schwinget. Dies brachte ihn ins Gespräch für Olten. Als sich sein Verbandskollege Werner Durrer verletzte und sich für ihn starkmachte, schlug Fredy Odermatts Stunde.
 
Kurze Gänge
Weil seine Ausdauer, normalerweise eine Stärke, während der Wettkampfpause gelitten hatte, konzentrierte er sich auf kurze Gänge und suchte die Offensive. Obwohl er von der Einteilung nicht geschont wurde und fünf Eidgenossen zugeteilt erhielt, gelang der Exploit. Im achten Gang bezwang er den höher eingestuften St. Galler Lothar Herrsche schon im ersten Zug mit Kurz-Lätz platt. Die Maximalnote war notwendig, um mit 75,00 Punkten just auf den letzten Kranzrang vorzustossen. «Weil ich erst zwei Tage vor dem Fest aufgeboten wurde, konnte ich unbeschwert antreten», kommentiert er die spezielle Konstellation. Im zweiten Gang hatte er auch den Berner Eidgenossen Urs Geissbühler besiegt. «Die Einteilung bereitete mir nie Probleme. Ich schaute nicht auf die Namen, sondern konzentrierte mich aufs Schwingen», beschreibt er im Rückblick eines seiner Erfolgsrezepte.
 
1995 nochmals nahe dran
Auch bei seinem dritten Eidgenössischen kämpfte der Buochser Sennenschwinger bis zum achten Gang um Eichenlaub. Auch diesmal war die Vorbereitung nicht ideal verlaufen. Eine Daumenverletzung, die er sich am Innerschweizerischen zugezogen hatte, verhinderte bis kurz vor dem Saisonhöhepunkt in Chur ein Schwingtraining. Trotzdem gelangen ihm am ersten Tag Siege über Hanspeter Pellet und den damals gefürchteten Christian Vogel. Am Sonntag gingen Fredy Odermatt aber die Kräfte aus. So verlor er um den Kranz gegen den St. Galler Rheinthaler Karl Steiger, den er gemäss eigener Einschätzung hätte besiegen sollen.
 
Ideale Trainingsverhältnisse
Schon in den 90er Jahren waren vier Trainings pro Woche für Fredy Odermatt der Normalfall. Die neue Trainingshalle in Stans mit regelmässigen Verbandszusammenzügen bildete ideale Verhältnisse. Franz Käslin sorgte für gute Trainings. «Er förderte und forderte uns stark», erinnert sich Fredy Odermatt. Bekannte Namen wie Toni Achermann, Franz und Martin Odermatt, Robert Arnold oder Werner Hurschler sorgten für ein hohes Niveau. In den letzten Jahren trainierte Fredy auch viel mit seinem Bruder Daniel Odermatt, dessen stärkste Jahre später folgten.
 
Nebst dem einzigen Kranzfestsieg 1995 am Urner Kantonalen in Flüelen sowie zahlreichen Siegen an Regionalfesten blickt der Nidwaldner Standschwinger auch stolz auf das Innerschweizerische 1994 in Hünenberg. Dort stand er gegen Eugen Hasler im Schlussgang, den er allerdings schnell verlor.
 
Früher Rücktritt
Fredy Odermatt trat schon mit 29 Jahren zurück. Er arbeitete damals unter der Woche als Maschinist im Wallis, was das Training erschwerte. Inzwischen ist er beuflich seit zehn Jahren im Nationalstrassenunterhalt zwischen Beckenried und Airolo tätig.
 
In der Freizeit hält er sich gerne in der Natur auf. Dazu passt seine Leidenschaft fürs Pilzesammeln und das Wandern. Schwingfeste besucht er immer noch gerne. In diesem Jahr weilte die Familie auch an Berner Festen, weil seine Töchter Fans von Remo Käser sind.

Wolfgang Rytz

Redaktion

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