Erfolgreichster Nichteidgenosse

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Werner Jakob aus der Südwestschweiz an der Reihe, sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2018. Wie nahe Sieg und Niederlage beieinanderstehen, zeigt sich an der Laufbahn des Freiburgers Werner Jakob. Obwohl ihm der Gewinn des Eidgenössischen Kranzes verwehrt blieb, war er einer der erfolgreichsten Südwestschweizer Schwinger.
Werner Jakob (hinten) im Duell mit Emmanuel Crausaz am Freiburger Kantonalschwingfest 1988 in seiner Heimat Kerzers.
Ob als Aktivschwinger, in administrativen Belangen oder heute als fachkundiger Festbesucher, der Freiburger Werner Jakob hat zusammen mit seiner Ehefrau Christine sein ganzes Leben dem Schwingsport untergeordnet. Über ein Jahrzehnt war der Sennenschwinger eine der wichtigsten Stützen im Südwestschweizerischen Schwingerverband. Seine sechs Kranzfestsiege und 75 Kranzgewinne sprechen da eine deutliche Sprache. Dies in einer Zeit, als die Südwestschweizer durchaus an der nationalen Spitze mitreden konnten. Zusammen mit Gabriel Yerli, Rolf Wehren, Emmanuel Crausaz und einer Vielzahl weiterer  Spitzenschwinger machten die Südwestschweizer weit über die  Kantonsgrenzen hinaus von sich reden. 
 
Zum Schwingen kam Werner Jakob durch seinen Vater, der selber ein begeisterter Schwinger war. Noch heute, nachdem der gelernte Landwirt seine Ämter niedergelegt hat, ist er immer dazu bereit, wenn nötig, mit Rat und Tat die Schwingklubs oder die Festorganisatoren zu unterstützen. 
 
Freiburger Fest unvergessen
Sicher ist für jeden Schwinger das Heimfest immer ein besonderes Ereignis. Bei Werner Jakob hat das Freiburger Kantonalfest in jeder Beziehung einen besonderen Stellenwert. Nebst seinen drei Siegen und diversen Spitzenrängen lernte er bei diesem Fest in Murten seine Ehefrau Christine kennen. «Christine war an diesem Fest als Ehrendame tätig und ist mir sofort aufgefallen. Obwohl sie einen anderen Schwinger krönen durfte, hat an diesem Fest eine glückliche Beziehung ihren Anfang gefunden.» Seine Ehefrau hat ihn bei seiner aufopfernden Arbeit immer unterstützt. Ja, sie hat ihm in den Jahren, als er als Technischer Leiter im Teilverband und auf eidgenössischer Ebene tätig war, sehr viel Arbeit abgenommen. «Ohne meine Ehefrau hätte ich diese Aufgaben kaum erledigen können. Christine hat mir immer den Rücken gestärkt. Sie ist ein echter Glücksfall in meinem Leben.» Besonders stolz ist Werner Jakob auf seine drei Töchter, die ihm schon zwei Enkelkinder geschenkt haben.
 
Technisch versiert
Mit einem Gewicht von 88 Kilogramm war Werner Jakob auf eine ausgefeilte Technik angewiesen. «Im Prinzip konnte ich mit jedem Gegner gut schwingen. Nur gegen mir körperlich und kraftmässig überlegene Gegner hatte ich oft Mühe, einen Sieg zu erringen.» 
 
Im Laufe seiner Kariere hat das Schwingen eine grosse Entwicklung durchgemacht. Besonders die Trainingsmethoden haben sich grundlegend geändert. Am Anfang seiner Laufbahn wurde wöchentlich zwei Mal trainiert. Am Ende der Karriere waren mindestens vier Trainingseinheiten pro Woche angesagt. Dies ist aus der Sicht des liebenswürdigen Westschweizers auch die grösste Änderung, die er beobachten konnte. «Die Schwinger sind in der heutigen Zeit durchschnittlich viel grösser und schwerer geworden als zu meiner Aktivzeit. Ausser, dass die Schwinger durch das intensive Krafttraining athletischer geworden sind, hat sich der Nationalsport nicht gross verändert. Es hat schon früher technisch versierte Schwinger gegeben. Jedoch waren, wie heute auch, kraftvolle Standschwinger am Werk.» Wichtig ist aus seiner Sicht, dass die Aktivschwinger ihre Technik den körperlichen Voraussetzungen anpassen.
 
Dass ihm der Gewinn eines Eidgenössischen Kranzes verwehrt geblieben ist, damit hadert er nicht. Besonders stolz ist er darauf, dass er der erfolgreichste Nichteidgenosse ist. «Ändern kann ich daran nichts mehr, und eine Rangliste anzuführen ist doch etwas Schönes. Vielleicht bleibt mein Rekord als bester Nichteidgenosse ja noch lange bestehen.»
 
Offen für Neues
Bereits mit 18 Jahren wurde er im Schwingklub Kerzers zum Technischen Leiter gewählt. Dieses Amt hatte er über eine Zeitspanne von 32 Jahren inne. Vom Kanton über den Teilverband bis hinauf zum Eidgenössischen Technischen Leiter durchlebte er dabei alle Stufen. Dadurch stand Werner Jakob den Aktivschwingern immer sehr nahe. 
 
Eine klare Meinung hat er zur Werbung und zum Sponsoring. «Heute sind die Schwinger sehr gefragte Sportler. Darum finde ich es gut, dass sie davon profitieren können. Solange es in einem vernünftigen Rahmen bleibt und die Schwinger sich selber gut kontrollieren, um nicht in eine Werbefalle zu tappen, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Sind wir doch froh darüber, dass sich das Schwingen einer solchen Beliebtheit erfreut.»

Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

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