Drei ESAF-Kränze und Stimme der Schwinger

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Nordostschweizer Enrico Matossi an der Reihe, sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2011. Enrico Matossi war über 30 Jahre eng mit dem Schwingsport verbunden. Zuerst als aktiver Schwinger, danach als Schwingerstimme der Nation. Der Turnerschwinger blickt auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück. Mit Wehmut erinnert er sich aber ans Jahr 1983, wo er sich in der Form seines Lebens verletzte.
Turnerschwinger Enrico Matossi (hinten) gegen Franz Odermatt. (Archivfoto: Christian Mutzner)
Erst mit 16 Jahren zog es den gebürtigen Engadiner Enrico Matossi in den Schwingsport. Der heute 54-Jährige hat dies einem Arbeitskollegen zu «verdanken». Während seiner Lehrzeit als Maschinenmechaniker animierte ihn sein Lehrlingskollege zum Schwingsport. «Meine ersten Erfahrungen sammelte ich im Schwingkeller in Winterthur mit den Schwingerkönigen Karl Meli und Arnold Ehrensberger.» Bereut habe er den Schritt ins Kurzholz bis heute nie. Zuviel hat ihm der Nationalsport in den letzten Jahren zurückgegeben.
 
Nach Beendigung seiner Lehrzeit zog es ihn Mitte der 70er-Jahre nach Kreuzlingen. Im Schwingklub Bodensee und Rhein fand er fortan eine gute Infrastruktur in einem zukunftsorientierten Schwingklub vor. In der Zeit seines Wechsels vom Zürcher in den Thurgauer Verband kam es zu den ersten grösseren Erfolgen.
 
Kranzpremiere 1976
Nur drei Jahre nach seinem Einstieg in den Schwingsport gewann Enrico Matossi 1976 erstmals an einem Kranzfest das begehrte Eichenlaub. Im Laufe seiner Karriere summierten sich die Kranzgewinne auf total 76. Insgesamt drei Mal liess er sich zudem als Festsieger bei einem Kranzfest feiern. Dies war an Zürcher und Schaffhauser Kantonalfesten. Den Thurgauer Ehrentag gewann er nie. Das «fuchse» ihn heute noch, sagt er schmunzelnd.
 
Drei eidgenössische Kränze
Nach weiteren Kranzgewinnen reiste der Turnerschwinger 1980 ans Eidgenössische nach St. Gallen. «Ich setzte mir keine besonderen Ziele. Doch von Anfang an lief es gut, und ich schwang mich in einen ‹Rausch›.» Dank vier Siegen am ersten Tag und einer starken Leistung am zweiten reichte es ohne Probleme zum erstmaligen Kranzgewinn. «Da niemand mit diesem Erfolg rechnete, war es umso schöner», sagt der Inhaber einer Personal- und Unternehmungsberatungsfirma, welches er vor zwölf Jahren gründete.
 
1989 in Stans und 1992 in Olten kamen zwei weitere eidgenössische Kränze in sein Palmarès. Besonders stolz ist der Thurgauer auf den Kilchberger Schwinget 1990. Dort landete er als bester Nordostschweizer auf Rang 5. Den Unspunnen-Schwinget bestritt er zwei Mal, zudem klassierte er sich 1991 am Bundesfeiertagsschwinget «700 Jahre Eidgenossenschaft» in Flüelen auf dem vierten Rang. 1992 beendete er seine Laufbahn offiziell. «1994 kam es anlässlich der Schwingerreise in die USA zum kurzfristigen Comeback. Ich bestritt ein Fest.»
 
Seuchenjahr 1983
Doch in Matossis Laufbahn lief nicht immer alles wie geplant. 1983 verletzte er sich am Rigi-Schwinget und verpasste das Eidgenössische in Langenthal. «Das hat mir sehr zu schaffen gemacht, fühlte ich mich doch in der Form meines Lebens.» Auch 1986 in Sion wurde es nichts aus dem Kranzgewinn. Nach einem erfolgreichen Start mit zwei Siegen verletzte er sich im dritten Gang an der Schulter und musste aufgeben.
 
Erfolge als Ringer und Judoka
Durch den Schwingsport kam Matossi früh auch zum Ringersport. Bei Winterthur startete er eine längere Laufbahn als Mannschaftsringer. Er gehörte zeitweise auch der Nationalmannschaft (griechisch-römischer Stil) an. Als Einzelringer war er einmal Vize-Schweizer Meister und gewann ein internationales Turnier in Spanien. Eine weitere Nebenbeschäftigung war das Judo. Jahrelang gehörte er einem Nationalliga-A-Team an.
 
Matossi war während seiner Aktivzeit auch einer der Pioniere im Bereich Krafttraining. «Mein grosses Vorbild war ‹Noldi› Ehrensberger. Zusammen mit ihm wurde ich von Bob-Olympiasieger Sepp Benz trainiert», sagt Matossi.
 
Mitglied im NOSV-Vorstand
Seine Funktionärslaufbahn startete er noch während der Aktivzeit. Für viele Jahre war er als Technischer Leiter im Schwingklub Bodensee und Rhein tätig. Seine Ideen waren aber auch im Thurgauer wie Nordostschweizer Vorstand sehr gefragt. «Bis 2004 habe ich zudem regelmässig Kurse gegeben und über Ernährung und Krafttraining informiert.»
Weitaus bekannter ist Matossi aber in seiner Rolle als Co-Kommentator beim Schweizer Fernsehen. Von 1993 bis 2008 prägte er die Entwicklung des Schwingsports bei der nationalen Fernsehstation entscheidend mit. «Es war eine grossartige Erfahrung. Man hat viele neue und interessante Leute kennengelernt.» Heute verfolgt Enrico Matossi den Schwingsport als aufmerksamer Zuschauer.

Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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