Bis heute der einzige Taminataler Eidgenosse

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Heinz Nigg an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2015. Der St. Galler Oberländer Heinz Nigg erlangte zwei eidgenössische Kränze und zwei Kantonalfestsiege. Markenzeichen des mit Urkräften ausgestatteten Bauern war sein Stöckli, mit dem er so manchen «Bösen» besiegte.
Heinz Nigg (links) in seiner besten Saison, 1992 am Nordostschweizer Schwingfest in Herisau, gegen Bruno Rimmel. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Heinz Nigg war ein Späteinsteiger. Als der bärenstarke, viel zu früh verstorbene, Kranzschwinger Franz-Sepp Müller einst Heu von Talboden in Mels nach Pfäfers auf den elterlichen Betrieb von Heinz Nigg brachte, stellte er fest, dass sein Kunde weit mehr Ballen ablud, als der Lieferant. Müller gelang es, seinen Kunden für ein Trainingsbesuch im Schwingkeller in Mels zu begeistern. «In Pfäfers schwang damals niemand. Mein erster Schwingfestbesuch war das Eidgenössische 1983 in Langenthal. Im gleichen Jahr startete ich meine Laufbahn als 21-Jähriger.»

Gute Lehrmeister
1984 stand er dem ersten Kranzgewinn schon nahe. 1985 am Kantonalen in Kaltbrunn sollte es so weit sein. «Das Schwingen betrachtete ich immer als Ausgleich und Hobby.  Meine Fitness waren der elterliche Betrieb und diverse Nebenjobs wie das Akkordholzen.» Auch profitierte Nigg von der damaligen starken Melser Mannschaft mit Paul und Stefan Ackermann, Theo Danner, Hans Hobi, Mario John und Franz-Sepp Müller.

Sechs Siege in Stans
Bei seinem ersten Eidgenössischen, 1986 in Sion, lief es dem St. Galler überhaupt nicht nach Wunsch. Nach vier Gängen war für ihn der Wettkampf zu Ende. Die besten Jahre folgten ab der Saison 1989. In Stans erkämpfte er sich den Kranz mit sechs gewonnenen Gängen im fünften Schlussrang. Mit zwei Siegen glückte ihm ein optimaler Start, ehe er Silvio Rüfenacht als Stärkeren anerkennen musste. Mit zwei weiteren Siegen näherte er sich wieder der Spitze. Gegen den Muotathaler Richard Heinzer setzte es nochmals eine Niederlage ab, doch im Ausstich fand er gegen die Berner Hans Widmer und Rolf Mächler auf die Siegerstrasse zurück.

Kranz frühzeitig gesichert
Drei Jahre später lief es mit einem Gestellten gegen Werner Vitali, einer Niederlage gegen Peter von Gunten und zwei Siegen am ersten Tag nicht ganz so rosig. Am Sonntagmorgen folgte ein weiterer Sieg und im sechsten Gang teilte er die Punkte mit Schwingerkönig Harry Knüsel. Mit einem Plattwurf über Rolf Wehren sicherte er sich den Kranz bereits im siebten Gang. «Den zweiten eidgenössischen Kranz werte ich noch höher als den ersten. Speziell in Erinnerung bleibt mir der Sieg über Rolf Wehren, gegen den ich sonst nie gewann.» Mit einem Gestellten gegen Gabriel Yerli beendete er das Fest im Solothurnischen auf Rang sechs.

In dieser Zeit hatte der Landwirt weitere beachtliche Erfolge vorzuweisen. 1991 gewann er als lachender Dritter in Oberbüren das St. Galler Kantonalfest zum ersten Mal, 1992 in Buchen-Staad doppelte er mit sechs gewonnenen Gängen nach.

Halbzeitführung auf dem Brünig
Dazu gesellen sich ein Innerschweizer Teilverbandskranz sowie die Bergkränze auf der Rigi und dem Brünig. 1991 gewann er auf dem Brünig die ersten drei Duelle. «Die Berner jubelten mir zu, als ich nacheinander Richard Heinzer und Eugen Hasler auf den Rücken legte.» Nigg fügte Hasler im 74. Gang die erste Saisonniederlage bei. Mit dem Seriensieger stellte er im gleichen Jahr bereits am Glarner-Bündner.

Ein Berner, Walter Stoll, war auch, der Niggs Höhenflug im vierten Gang stoppte. Im Rang sechs war Nigg, gemeinsam mit Enrico Matossi, trotzdem bester Nordostschweizer. Dies bezeichnet Nigg nicht nur als einen seiner schönsten Erfolge: «Der Brünig bleibt mir auch von der Atmosphäre her als eines der schönsten Feste in Erinnerung. Die Nähe zum Publikum ist einmalig.»

Höchstgelegener Bauer
So spät die Laufbahn von Nigg begann, so früh endete sie. 1993 bestritt er noch einen Frühjahrswettkampf, ehe ihn Rückenprobleme, verbunden mit einem Spitalaufenthalt, zum Rücktritt zwangen.

Heinz Nigg konnte in St. Margrethenberg oberhalb von Pfäfers einen zur Pacht ausgeschriebenen Landwirtschaftsbetrieb erwerben und später kaufen. Dort bewirtschaftet Nigg an der Grenze zum Kanton Graubünden den höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Bauernbetrieb des Kantons St. Gallen. Den hat er in der Zwischenzeit auf Mutterkuhhaltung umgestellt.

Schwingfeste besucht er heute hauptsächlich im Zusammenhang mit seinen drei Söhnen, die sich alle auch dem Schwingsport verschrieben haben. «Ich blicke auf eine schöne Zeit zurück. Noch immer werde ich regelmässig auf meine Erfolge angesprochen.»

Jakob Heer

Redaktion

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