Zwei ESAF-Kränze und drei Mal knapp gescheitert

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Fritz Rietberger an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2016. Der Bündner Fritz Rietberger erschwang in der glorreichen «Bündner-Ära» in der 80er Jahren zwei Eidgenössische Kränze. Trotz vier Schlussgangteilnahmen – ein Kranzfestsieg blieb dem Meisterlandwirt verwehrt.
Fritz Rietberger (rechts) am Nordostschweizer Teilverbandsfest 1981 in Flawil im Duell gegen Kurt Schneiter. Die Begegnung endete resultatlos. (Fotoarchiv Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Wie früher üblich fand Fritz Rietberger via den Turnverein zum Schwingen. «Ich war im örtlichen Turnverein aktiv, wo ich zum Nationalturnen fand. Urs Rettich, der in Malans arbeitete, brachte mich dazu, dem Schwingklub Chur beizutreten», kommt der 60-Jährige auf seine Anfänge im Schwingsport zu reden. 1975 am Glarner-Bündner bestritt Rietberger sein erstes Kranzfest und erkämpfte sich in Ennenda auf Anhieb den Kranz. Ein Jahr später gewann er den klubeigenen Brambrüesch-Schwinget sowie den Sedel-Schwinget in Herisau. «Damals kannten sie mich im Appenzellischen noch nicht», fügt er mit einem Lächeln an.

Dreimal in Serie 74,75 Punkte
Bereits 1977 nahm das Talent erstmals an einem Eidgenössischen teil. Mit vier gewonnenen Gängen realisierte er in Basel 74,75 Punkte. Nach einer Niederlage im siebten Gang gegen Ruedi Tschannen schwang er zuletzt nicht mehr um den Kranz. Drei Jahre später in St. Gallen realisierte er dieselbe Punktzahl. Nach einem Sieg im siebten Gang über Erich Gnägi stand er dem Kranzgewinn nahe. Doch mit einer Niederlage gegen den Zuger Leo Betschart fand er sich, wie drei Jahre zuvor, einen halben Punkt hinter den Kranzrängen wieder.

1983 in Langenthal glückten dem Bündner wie 1977 und 1980 vier Siege. Zum dritten Mal in Serie realisierte er 74,75 Punkte. Diesmal ein «Vierteli» hinter den kranzberechtigten Rängen. «Ich war damals in guter Verfassung und rechnete mir gute Chancen aus. Was es zum Erlangen eines eidgenössischen Kranzes benötigt, musste ich auf bittere Art erfahren.» Im siebten Gang bezwang Rietberger den späteren Schwingerkönig Harry Knüsel, doch mit der abschliessenden Niederlage gegen Fritz Flühmann entschwand der Kopfschmuck.

Mit Kniestich zum Erfolg
Bei seiner vierten Teilnahme war es endlich so weit. Im Regen von Sion glückte Rietberger ein optimaler Start mit drei Siegen und einer Niederlage gegen Niklaus Gasser. Gegen Fritz Hurni wurde der vierte Erfolg Tatsache und mit dem fünften Sieg über Eugen Hasler und 75,50 Punkten war das eidgenössische Eichenlaub Tatsache. «Ich musste gegen ’Geni’ vier Minuten lang untendurch, bis ich gegen ihn mit Kniestich gewinnen konnte. Nach meinen drei Auftritten ohne Krönung war Sion eine grosse Genugtuung.»

Die Bündner hatten damals mit Johann-Martin Engi, Hans Lüthi, Urs Rettich, Mario John sowie Christian und Andreas Ambühl eine sehr kompakte Mannschaft. Unvergessen bleibt der Kilchberger Schwinget 1984, wo Engi Rang drei, Lüthi Rang vier, Rettich Rang fünf und Rietberger, unbesiegt, Rang sieben belegte.

1989 unter Zugzwang
1989 in Stans krönte er seine Laufbahn mit dem zweiten eidgenössischen Kranz. Nach einer Niederlage gegen Hans Wiedmer musste er die letzten beiden Gänge gewinnen, um noch Eichenlaub zu erlangen. Dies schaffte er gegen Rolf Schüpbach und Urs Matter.

1990 bestritt Fritz Rietberger am Kilchberger Schwinget seinen letzten Wettkampf. Mit zwei Gestellten und zwei Niederlagen verpasste er den Ausstich. «Dies passierte mir zuvor nie.» Gleich vier Mal stand der Turnerschwinger im Schlussgang am eigenen Kantonalen, doch zu einem Kranzfestsieg reichte es nie. 1984 in Flims und 1987 in Davos musste er Ernst Schläpfer den Vortritt gewähren. 1989 in Schiers stellte er gegen den damals auf seinem Betrieb angestellten Christian Ambühl, was dem Glarner Albrecht Rhyner zum Sieg verhalf. Ein Jahr später in Chur konnte er im Schlussgang Matthias Bleiker nicht bezwingen. «In den beiden gestellten Schlussgängen fehlte mir die nötige Cleverness.» Stolz ist der Viehzüchter auch auf die Bergkränze von den Bergfesten Brünig und Stoos sowie den Nordwestschweizer Teilverbandskranz.

1982 wurde der Bündner in Tuggen SZ Schweizer Meister im Nationalturnen und 1983 gewann er den Eidgenössischen Nationalturntag in Willisau. Wegen eines Handbruches war ihm das Steinheben nicht mehr möglich, womit seine Nationalturnlaufbahn 1984 abrupt endete.

Drei Königstitel in seiner Ära
Bereits 1991 wurde Rietberger Technischer Leiter im Kanton Graubünden. 1996 übernahm er dasselbe Amt im NOS-Verband. In seine neunjährige Tätigkeit fielen die Königstitel von Jörg Abderhalden (1998/2004) sowie Arnold Forrer (2001). Kari Ritter unterstützte ihn in seinem Amt als Chefsekretär. «Dies war eine intensive, aber schöne Zeit.» Noch heute verfolgt Rietberger das Geschehen intensiv.

Auf dem «Rütihof» am Dorfeingang von Malans haben schon diverse Schwinger beim Meisterlandwirt ihre Bauernlehre absolviert. Seit drei Jahren betreibt er auf dem Hof mit seiner Frau Lukrezia eine «Besenbeiz». Es ist selbsterklärend, dass ehemalige Weggefährten zu den häufigsten Gästen gehören.

Jakob Heer

Redaktion

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