Langjährige Stütze im Nordostschweizer Lager

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Ruedi Suter an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2009. Ruedi Suter aus Plons bei Mels ist mit fünf Eidgenössischen Kränzen einer der erfolgreichsten Nordostschweizer Schwinger. Er stand in den 70er- und 80er-Jahren allerdings im Schatten von anderen Spitzenschwingern. Nach seiner Aktivkarriere trat er eine ebenso erfolgreiche Funktionärslaufbahn an.
Nordostschweizerisches 1971 in Meilen: Ruedi Suter (links), ehemaliger Präsident der Eidgenössischen Schwingerhilfskasse, gegen den früheren Präsidenten der Hilfskasse, Karl Oberholzer. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/Schlussgang)

«Ich kann nur drei Kranzfestsiege ausweisen», blickt der heute 59-jährige Turnerschwinger bescheiden auf seine Aktivzeit zurück. Von 1968 bis 1983 erkämpfte er immerhin 66 Schwingerkränze, darunter fünf eidgenössische. Während mehr als eines Jahrzehnts gehörte er zur breiten Nordostschweizer Spitze. Doch Grössen wie Karl Meli, die Gebrüder Max und Ruedi Kobelt, Hans Hämmerli, Peter Steiger, Max Wolfensberger, Ruedi Vogel, Franz Schatt, Kurt Schneiter und in den späteren Jahren auch Arnold Ehrensberger und Ernst Schläpfer machten ihm das Siegen schwer. So musste er sich mit den Triumphen 1971 am Baselstädtischen, 1976 am St. Gallischen und 1980 am Glarner-Bündner begnügen. «Wir Nordostschweizer dominierten an der Spitze nicht im gleichen Ausmass wie in den vergangenen Jahren, doch unsere Spitze war breiter als heute», zieht Ruedi Suter einen Vergleich zu den letzten Jahren.

Vom Barren ins Sägemehl
Der Plonser fand den Weg zum Schwingen via Turnverein und Nationalturnen. Dass er auch turnerisch einiges draufhatte, unterstreichen vier eidgenössische Kränze im Nationalturnen. Bevor er sich mehr dem Zweikampf im Sägemehl widmete, bestritt er beispielsweise am Eidgenössischen Turnfest 1967 mit dem TV Mels auch am Barren den Sektionswettkampf. Den Turnern blieb er viele Jahre als Steinheber treu und stand letztmals am Eidgenössischen 1996 in Bern im Einsatz.

Mehrere Vorbilder
Im Schwingen feierte Ruedi Suter schon als Achtzehnjähriger am St. Galler Kantonalen seinen ersten Kranzgewinn. Als Vorbilder und Lehrmeister standen ihm beim Schwingklub Mels Manfred John und Ernst Willi zur Seite. Viel profitierte er auch von den erfolgreichen Gebrüdern Kobelt, deren ausgereifter Technik er nacheiferte. Schon als 19-Jähriger qualifizierte er sich erstmals für ein Eidgenössisches Schwingfest. In Biel schwang er sich immerhin für den ersten Ausstich. Bei seinen fünf weiteren eidgenössischen Festen erreichte er jedes Mal Eichenlaub. Der Aufstieg zu den Eidgenossen gelang ihm 1972 in La Chaux-de-Fonds bereits im siebten Gang mit einem Sieg über den Berner Hans Klossner. Zum Abschluss stellte er mit der damaligen Berner Koryphäe Peter Gasser.

Konstante Leistungen
Ein Markenzeichen in Ruedi Suters Karriere war die Konstanz. «Ich hatte auch das Glück, dass ich praktisch unfallfrei blieb», sagt er dazu. Geholfen hat ihm wohl seine sportliche Vielseitigkeit. Nebst zwei Schwingertrainings pro Woche besuchte er auch immer zweimal wöchentlich die Turnstunde.

Spitzenschwinger widmeten sich damals noch weniger dem Krafttraining. Suter erzählt, dass der ehemalige Olympiamedaillengewinner im Bobfahren, Sepp Benz, als moderne Errungenschaft Trainingspläne aufstellte. «Nur haben wir nicht immer danach gelebt», erinnert er sich mit einem Schmunzeln.

Kompletter Schwinger
Mehr noch als heute zeichneten sich in den 70er- und 80er-Jahren Spitzenschwinger mit einer guten Bodentechnik aus. So riss auch Ruedi Suter viele Gegner aus der Unterlage auf und bezwang sie in der Grittelen.

Im Standkampf gehörten nebst dem Kurz der Übersprung und der Gammen zu seinen bevorzugten Standschwüngen. Damit blieb er bis zum Abschluss seiner Aktivzeit sehr erfolgreich. 1983 sicherte er sich in Langenthal seinen fünften Eidgenössischen Kranz schon im siebten Gang gegen den Luzerner Peter Widmer. Danach trotzte er Leo Betschart einen Gestellten ab.

Nachher Funktionärskarriere
Für Aufsehen hatte der Plonser Turnerschwinger auch 1974 in Schwyz gesorgt. Nach sechs Gängen gehörte er zur Spitzengruppe, ehe er mit resultatlosen Zweikämpfen gegen den aktuellen Schwingerkönig David Roschi sowie gegen Ruedi Lüscher noch leicht zurückfiel.

Der gelernte Mechaniker, der heute in der Qualitätsicherung arbeitet, schlug nach seiner Aktivzeit eine nicht minder erfolgreiche Funktionärskarriere ein. Dreimal stand er als Kampfrichter an einem Eidgenössischen im Einsatz. Nach langjähriger Vorstandstätigkeit bis hinauf zum Nordostschweizerischen  Verband führte er auch die Hilfskasse des ESV.

Wolfgang Rytz

Redaktion

Kommentare