Jetzt die kostenlosen Online-Dienste vom SCHLUSSGANG unterstützen

Familienplanung erfolgte unabhängig von Corona

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Schwinger Patrick Räbmatter): Der Aargauer Eidgenosse Patrick Räbmatter hat während der Coronakrise und den zwei kompletten Lockdowns im Sägemehlsport das Familienleben entdeckt. Im Dezember heiratete der 29-jährige Zofinger Vanessa, im Januar kam Tochter Ronja zur Welt.
Seit zwei Monaten stolzer Vater: der zweifache Eidgenosse Patrick Räbmatter mit seiner Frau Vanessa und Tochter Ronja. (Foto: Wolfgang Rytz)

Der liebenswürdige Brocken aus Uerkheim stellt mit einem schelmischen Lachen in Abrede, dass er die Coronakrise bewusst für die Familienplanung genützt habe. «Mir war es nicht langweilig, ich hatte andere Beschäftigungen. Die Heirat und der Nachwuchs ergaben sich einfach so. Das geschah nicht wegen Corona.»

Trotzdem gesteht «Räbi», wie ihn alle Schwingerfreunde rufen: «Das Schwingen fehlte mir in den letzten Monaten sehr.» Er blickt hoffnungsvoll in die Zukunft und sagt: «Ich fasste nach dem Eidgenössischen in Zug den Entschluss, midestens bis Pratteln 2022 weiterzuschwingen. Jetzt spüre ich, dass ich in eineinhalb Jahren nicht aufhören werde. Ich kann vorläufig nicht ohne Schwingen sein.»

Stetige Steigerung
Patrick Räbmatters bisherige Schwingerlaufbahn gleicht einem Sportmärchen. Bis zum 17. Altersjahr war er mit überschaubarem Erfolg Fussballtorhüter. Da kam die Einladung aus dem Kollegenkreis der Schwester, beim Schwingklub Zofingen in die Hosen zu steigen. «In unserer Familie war dieser Sport kaum bekannt. Einzig der Grossvater war Hornusser und Schwingerfreund», erzählt der Disponent im elterlichen Transportunternehmen.

«Räbi» fand auf Anhieb gefallen am Hosenlupf, und schon nach wenigen Wochen erreichte er am Nordwestschweizerischen Nachwuchsschwingertag hinter dem Solothurner Urs Hauri Rang 2. Im Jahr darauf feierte er mit 18½ Jahren den ersten Kranzgewinn am Aargauer Kantonalen.

Sukzessive steigerte sich der kräftige Sennenschwinger aus Uerkheim. 2015 gewann er gegen den aufstrebenden Nik Alpiger im Schlussgang das Basellandschaftliche Kantonale. Als vorläufige Höhepunkte folgten 2016 und 2019 auf überzeugende Weise zwei eidgenössische Kränze.

Noch nicht am Ende
Obwohl er sich das eidgenössische Eichenlaub von Estavayer-le-Lac auf die linke und jenes von Zug auf die rechte Schulter tätowieren liess, stellt er vehement in Abrede, dass damit seine sportlichen Ziele erreicht seien. «Ich habe noch Platz auf dem Rücken für einen dritten eidgenössischen Kranz.»

Zuerst steht aber die Qualifikation für den Kilchberger Schwinget 2021 im Fokus. «An diesem Anlass war ich noch nie dabei», sagt er zu seinem nächsten sportlichen Ziel. Allerdings hat ihn die Coronakrise mit der zweiten Welle sozusagen auf dem falschen Fuss erwischt. 2019 war mit neun Kränzen seine bisher erfolgreichste Saison. Diese schloss er mit dem Sieg am Herbstschwinget Siebnen ab.

Familienleben gepflegt
Im Bewusstsein, dass er als zweifacher Eidgenosse noch mehr zum Gejagten wird, betrieb er in zwei Anläufen einen grossen Vorbereitungsaufwand für die Saison 2020, die nie stattfand. Entsprechend demotivierend war der zweite Lockdown mit Schwingerverbot im Dezember. «Da entdeckte ich so richtig die Pflege des Privatlebens», sagt der Familienmensch. Nach der Heirat und Weihnachten/Neujahr folgte schon bald die Geburt von Tochter Ronja, womit das Training in den Hintergrund rückte. «Dank des Lockdowns habe ich so viel Zeit als Familienvater, wie ich im Normalfall nie hätte», gewinnt er Covid-19 eine positive Seite ab.

Weichen sind gestellt
«Räbi» ist sich aber bewusst, dass jetzt höchste Zeit ist, den Saisonaufbau in Angriff zu nehmen, denn er glaubt und hofft, dass in diesem Jahr bald wieder geschwungen werden kann. Seit der ersten Märzwoche hat er das Kraft- und Fitnesstraining zu Hause aufgenommen. Sobald Schwingertrainings wieder möglich sind, wird er mit den Zofingern sowie einer Gruppe rund um Nik Alpiger wieder an der Technik arbeiten. Mit seinen persönlichen Betreuern Matthias Arnold (Schwingen) und Giovanni Arcadio (physische Verfassung) hat er die Planung bereits vorgenommen.

Leise Sorgen bereitet ihm das stark angestiegene Gewicht. Da wird er in den nächsten Wochen viel schwitzen müssen, bis er wieder auf sein Kampfgewicht von rund 150 kg abgespeckt hat. In den Wettkampfrhythmus finden will er wie schon in früheren Saisons mit möglichst vielen Wettkämpfen. Von den geplanten 22 Schwingfesteinsätzen musste er allerdings die ersten bereits streichen.

Der SCHLUSSGANG veröffentlicht jeweils nach der Erscheinung der Printausgabe einen Text aus der Zeitung.

Auch in der Corona-bedingt schwingfreien Zeit, informiert der SCHLUSSGANG mit seiner Printausgabe wie gewohnt 19 Mal pro Jahr aktuell und kompetent. Auch ohne Schwingfeste bietet der Schwingsport viele spannende Geschichten rund ums Sägemehl.

Nutzen Sie, liebe/r Nicht-Abonnent/in, die Möglichkeit und bestellen Sie ein kostenloses SCHLUSSGANG-Exemplar nach Hause. Mehr dazu hier (Formular Bestellung SCHLUSSGANG).

Im Artikel erwähnt: 

Wolfgang Rytz

Redaktion

Kommentare