Am Eidgenössischen in Zug ein Denkmal gesetzt

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Schwingerkönige): Seit knapp zwei Jahrzehnten ist Christian Stucki ein wichtiger Eckpfeiler im Berner Schwingerverband. Mit seinem Titelgewinn in Zug hat sich der Seeländer den «Schwinger-Grand-Slam» geholt und sich damit ein Denkmal gesetzt.
Mit viel Spannung wurde das Duell zwischen Altmeister Christian Stucki (oben) und dem Innerschweizer Hoffnungsträger Pirmin Reichmuth erwartet. Stucki behielt die Nerven und startete mit einem Plattwurf in den ersten Tag. (Foto: Tobias Meyer)

Obschon die Form von Christian Stucki nicht richtig eingeschätzt werden konnte, durch eine Knieverletzung am Emmentalischen musste der zweifache Familienvater fast die gesamte Saison pausieren, zeigte der Seeländer in Zug seine vielleicht beste Vorstellung  in seiner glanzvollen Karriere. Bereits im ersten Gang gegen den hochfavorisierten Pirmin Reichmuth liess der liebenswerte Hüne erahnen, wie fokussiert er bei seinem siebten Eidgenössischen Schwingfest ans Werk gehen wollte.

Bemerkenswert ist, dass Christian Stucki seit dem Eidgenössischen 2004 in Luzern immer zum engeren Favoritenkreis gezählt werden musste, jedoch das nötige Wettkampfglück immer fehlte, um den Königstitel zu erringen. Anders in Zug, mit seiner grossen Erfahrung und im Wissen darum, dass es die vielleicht letzte Chance war, das hochgesteckte Ziel zu erreichen, zeigte Christian Stucki, dass man ihn nie abschreiben sollte. Besonders sein Blitzsieg im Schlussgang lässt erahnen, dass man von den an sich sehr gemütlichen Seeländern ebenfalls in den kommenden Jahren noch einiges erwarten darf.  

Ende auf Messers Schneide
Eine kleine Verletzung 2006 am Schienbein, was nach einem Schwingfest nicht aussergewöhnlich ist, entwickelte sich in der Folge zu einem echten Problemfall. Da sich Christian Stucki im Militärdienst befand, wurde die Wunde erst richtig behandelt, als sich Fieberschübe einstellten. In der Folge entzündete sich die Wunde immer mehr, und eine Blutvergiftung wurde diagnostiziert. Die Folgen waren so schlimm, dass man sogar in Betracht ziehen musste, das Bein zu amputieren.

Nach dieser schwierigen Zeit brauchte es natürlich wieder eine gewisse Zeit, bis Christian Stucki an die vor der Verletzung gezeigten Leistungen anknüpfen konnte. Nachdem die Verletzung vollständig ausgeheilt war, erkämpfte sich Stucki in Aarau seinen zweiten eidgenössischen Kranz und feierte ein Jahr später mit dem Sieg am Kilchberger Schwinget seinen ersten nationalen Erfolg. Spätestens nach diesem historischen Erfolg war der liebenswerte Seeländer schweiz-weit in aller Munde. Seine 42 Kranzfestsiege und die gewonnenen 128 Kränze sprechen dabei eine deutliche Sprache.

Weltoffen
Obwohl der immer gut aufgelegte zweifache Familienvater ein echter Familienmensch ist, kann er in seiner Karriere schon auf weltweit viele schöne Erlebnisse zurückblicken. Neben einem Abstecher zu den Sumoringern nach Japan hat er für eine Fernsehsendung die verschiedensten Länder bereist und dabei die landesüblichen typischen Kampfsportarten kennen gelernt. Trotzdem fühlt sich der gemütliche Berner im Kreise seiner Familie am wohlsten.

Neben seiner Frau und seinen zwei Söhnen sind seine Eltern bei jedem Einsatz von Christian Stucki vor Ort und unterstützen ihn in bemerkenswert bescheidener Art und Weise aus dem Hintergrund.

Wichtiger Karriereschritt
Ein wichtiger Schritt in der Karriere vom Schwingerkönig entstand durch die Zusammenarbeit mit dem Fitnesstrainer Tommy Herzog. Dem ehemaligen Bobfahrer gelang es bei Christian Stucki eine manchmal vorhandene Hemmschwelle zu lösen. Eine Hemmschwelle, die den Charakter von Christian Stucki deutlich beschreibt: ein liebenswerter, hilfsbereiter und gemütlicher Berner. Mit seiner Familie hat sich «Chrigu» im neu erstellten Einfamilienhaus in Lyss niedergelassen und so endgültig seine Wurzeln geschlagen.

Grosse Vorfreude auf die Saison
Natürlich hat der Königstitel im Leben von Christian Stucki einiges verändert, obschon er schon vorher nach seinen Siegen am Kilchberger Schwinget und am Unspunnen-Schwinget von den Medien umringt wurde. Ein besonderer Höhepunkt war die Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres 2019. Durch diese Wahl rückte der immer bescheiden gebliebene Seeländer noch einen Schritt weiter ins Rampenlicht.

Noch so gerne hätte Christian Stucki in diesem Jahr seinen Titel vereidigt, deshalb freut er sich auf die kommende Saison. «Die Situation ist, wie sie ist, und es ist allen gleich ergangen. Die Sonntage mit der Familie zu verbringen war sehr schön und hat nicht zuletzt meinen beiden Söhnen sehr viel gebracht.»

Mit diversen Konditions- und Krafttrainings hat sich der Schwingerkönig in diesem Sommer fit gehalten. Mitte Oktober will Christian Stucki seinen Trainingsplan wieder intensivieren und mit dem Schwingtraining beginnen. Natürlich stehen dabei für ihn die beiden eidgenössischen Anlässe im Vordergrund. Grossen Druck lässt er sich dabei jedoch nicht auflegen, denn den hatte er so seit Jahren, und er hat sich an solche Situationen gewöhnt.

Für Christian Stucki ist wichtig, dass er an jedem Einsatz  die bestmögliche Leistung abrufen kann: «Gelingt dies, ist es gut, gelingt es nicht, geht die Welt auch nicht unter.» Das Wichtigste ist, dass in der kommenden Saison die Schwingfeste wieder durchgeführt werden können. Wie und in welcher Form wird sich zeigen.

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Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

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