Sicher auf dem ESAF-Festgelände

08. Juni 2022 - 8:44

In den vergangenen Tagen ist das Sicherheitskonzept des ESAF Pratteln im Baselbiet medial zum Thema gemacht worden. Der Rücktritt des Leiters der Abteilung Sicherheit per Ende April führte zu Fragen und einer Berichterstattung, die nach einigen Klarstellungen rufen.

Verschiedene Aspekte der Detailumsetzung des gemeinsam entwickelten Sicherheitskonzepts sind von verschiedenen strategischen und fachlichen Stellen im OK gewichtet, bewertet und Vorentscheiden zugeführt worden. Wir kamen nicht überall zu den gleichen Ergebnissen wie der zurückgetretene Abteilungsleiter Marcus Müller, welche Massnahmen im Einzelnen zu treffen und welche Ressourcen einzusetzen sind. Derartige Diskussionen auf dem Weg zur Lösungsfindung sind in einem Grossprojekt wie dem ESAF normal. Wir bedauern, dass Marcus Müller daraus die kurzfristige Konsequenz eines Rücktritts gezogen hat und nun eine verkürzte Sicht der Dinge medial verbreitet wurde.

Kaum Abweichungen gegenüber Vorgängeranlässen
OK-Präsident Thomas Weber sagt zum Thema: «Das Sicherheitskonzept weicht in den wesentlichen Punkten nicht von demjenigen der ESAF 2013, 2016 und 2019 ab und ist deshalb auch aus Sicht des Eidgenössischen Schwingerverbands ESV korrekt. Wir investieren z. B. rund 1 Mio. Franken in die sicherheitsrelevante Infrastruktur und mehrere hunderttausend Franken für den Einsatz von externem Sicherheitspersonal. In den Detailfragen kann man betreffend eines genehmigten Konzeptes immer verschiedene Meinungen haben. In allen Bereichen gilt es letztlich das Optimum umzusetzen, nicht das Maximum und auch nicht das Minimum. Ein Grossprojekt wie das ESAF ist ein Zusammenspiel von Menschen mit verschiedenen, oft auch sehr starken Charakteren, die von ihrem beruflichen Leben her gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen und ihre Absichten durchzusetzen. Dass hier nicht immer alle gleicher Meinung sind, versteht sich von selbst.» Als Bauingenieur ETH, Oberst im Generalstab aD, Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion und aktueller Regierungspräsident des Kantons Basel-Landschaft gehört Thomas Weber selber zu den involvierten Stellen, die in Fragen der Sicherheit fachlich bewandert sind.

Gleiches gilt für den Geschäftsführer, Matthias Hubeli, der vor seiner Tätigkeit für das ESAF langjähriger Kadermitarbeiter der Polizei Basel-Landschaft war. Auch die übrigen Mitglieder des Präsidialausschusses verfügen über breite Erfahrung in der Organisation und Durchführung von regionalen, nationalen und internationalen Sportanlässen. Das Sicherheitskonzept des ESAF Pratteln im Baselbiet ist 2019 unter Federführung der Abteilung Sicherheit unter Mitwirkung von verschiedenen Fachgremien erstellt und von allen Zuständigen (Organisationskomitee, Eidgenössischer Schwingerverband, kantonale Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit, Gemeinde Pratteln) freigegeben worden. Es behandelt mehrere Dutzend an einem ESAF denkbare Szenarien und bildet den Handlungsrahmen für die konkreten baulichen und organisatorischen Sicherheitsmassnahmen. Bereits in der Phase der Machbarkeitsstudie 2017 war klar, dass die Lage des Festgeländes Herausforderungen stellt, für die wir aber die passenden Antworten gefunden haben. Je konkreter die Detailplanung des Festgeländes vorangeschritten ist – per Ende April 2022 wurde zum Beispiel die «Möblierung» fertig geplant, also die Standorte von Sonnenschirmen, Recyclingstationen etc. festgelegt –, desto konkreter und detaillierter werden auch die Aspekte zur Entfluchtung in verschiedenen Szenarien. Abgestimmt auf das Konzept und die genauen Rahmen-bedingungen vor Ort diskutieren wir diese Themen, wägen ab und definieren die Einzelmassnahmen. Es gibt dabei auch Fragestellungen, bei denen verschiedene Aspekte von Sicherheit gegenseitig in einem Widerspruch stehen können, den wir auflösen müssen und werden, zum Beispiel bauliche «Terrorsperren» auf Fahrwegen versus Offenhalten resp. rasches Öffnen der Rettungsachsen. In allen Diskussionen leitet den Präsidialausschuss, die Geschäftsleitung und alle involvierten Stellen ein hoher Qualitätsanspruch.

Widerspruch gegen Medienberichte
Der in einzelnen Medienberichten suggerierten Aussage, dass die Entfluchtung lediglich auf eine Arenagrösse von 47’000 Personen ausgelegt sei, ist klar zu widersprechen: Diese Zahl war die Ausgangsgrösse in der Machbarkeitsstudie, angelehnt an die Kapazität des ESAF 2010 in Frauenfeld. Durch Optimierungen der Arenageometrie bietet die Arena in Pratteln 50’900 Plätze an. Für die Planung der Entfluchtung bildete stets diese Anzahl von 50’900 Arenaplätzen die Grundlage der beauftragten Sicherheits-Planungsfirma.

Für die Evakuation des Festgeländes ist die Gesamtzahl der Personen entscheidend, die sich dort zeitgleich aufhalten. Bei laufendem Schwingbetrieb sind dies die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Arena sowie die weiteren Besuchenden, die sich auf den Festplätzen Nord, Süd und West aufhalten. Berechnungs-grundlage aller Massnahmen ist eine Gesamtzahl von 86’000 Personen, die sich zeitgleich im Festgelände befinden könnten. Diesen stehen je nach Ereignis und Standort verschiedene Fluchtwege offen – vom Festplatz Süd her insbesondere über die temporären, nur für das ESAF erstellten Brücken über den Graben des Hülftenbächlis sowie die temporären Passerellen über die Bahnlinie; vom Festplatz Nord her hauptsächlich das bestehende Strassennetz in die Himmelsrichtungen Nord, West und Ost. Mit diesen Vorkehrungen kann die Evakuierung normgerecht durchgeführt werden.

Erste Übungen haben bereits stattgefunden
Die Abteilung Sicherheit besteht aus über zwanzig Personen. Hinzu kommen die seit Beginn Involvierten der kantonalen und kommunalen Sicherheits- und Rettungsbehörden. Stellvertretend sei Marcel Schaub, Abteilungsleiter Dienste und Sicherheit der Einwohnergemeinde Pratteln zitiert: «Ich bin bei wichtigen Besprechungen im Teilstab Sicherheit dabei gewesen, dort ist alles korrekt abgelaufen. Die getroffenen Lösungen entsprechen vollumfänglich den gesetzlichen Vorgaben und sind überprüft worden. Die ersten Übungen haben bereits stattgefunden. Die Frage der Hindernisse und der Fluchtkorridore hat man x-fach angeschaut und besprochen. Im Sicherheitsbereich müssen auf Grund sich ändernden äusseren Begebenheiten ständig Anpassungen vorgenommen werden. Damit Budgetvorgaben eingehalten werden können, vergleicht man verschiedene Lösungsansätze ohne aber die Sicherheit zu schmälern. Wir reden hier also von einem Vergleich zwischen Rolls Royce und Ferrari und nicht von Auto oder Velo.»

Das OK ESAF Pratteln im Baselbiet und die zur Zusammenarbeit zugewiesenen kantonalen und kommunalen Stellen sind überzeugt, den Sicherheitsbelangen die nötige Aufmerksamkeit zu geben und im Risikomanagement sorgfältig, systematisch und verantwortungsbewusst vorzugehen. Es ist in unserem Interesse und entspricht auch unserem Qualitätsverständnis, dass alle sich auf dem Festgelände jederzeit sicher fühlen können, genauso wie sie das an den vergangenen ESAF auch konnten.

(Medienmitteilung)

Anlass

Ähnliche Berichte

Shop

Zum Shop