Martin Grab (Teil 3): Erste Hälfte vom MAGAZIN-Porträt

19. Dezember 2012 - 16:09

In der Schwingerwoche werden Woche für Woche von Mitte Oktober bis Mitte März jeweils täglich Meldungen vom betreffenden Schwinger aufgeschaltet. Derzeit an der Reihe ist Martin Grab. Heute: Teil 3.

Im ersten SCHWINGEN. DAS MAGAZIN. wurden die noch aktiven Sieger eines Eidgenössischen Anlasses porträtiert. Als Expo-Sieger 2002 und Unspunnen-Sieger 2006 gehört auch Martin Grab zu diesem Quintett. Heute blicken wir auf die erste Hälfte des Porträts von Martin Grab in SCHWINGEN. DAS MAGAZIN.

Der Mentalist
Schon sein Vater war ein bekannter Kranzschwinger. Also ist Martin Grab als Junge in die Szene hineingewachsen. Schwingen war einfach nahe liegend. Früh konzentrierte er sich darauf, die Gegner nicht allein mit roher Muskelkraft, sondern mittels raffinierter Technik zu besiegen. Er beherrschte schnell einmal das gesamte Repertoire, was ihn zu einem höchst unberechenbaren Gegner gemacht hat. Hinzu kommen die für diesen Sport notwendigen Gardemasse: 117 Kilo, die kompakt auf 1,94 Meter Körpergrösse verteilt und auf Schuhgrösse 47 abgestützt sind. Wer ihm im Ring gegenübersteht, weiss nie, auf welche Art ihn Grab angreifen wird.

Trophäen und Treicheln
Wir treffen den Schwinger für einmal nicht im Sägemehlring, sondern in seinem Büro, das er im obersten Stock seiner Wohnung in Rothenthurm eingerichtet hat. Fast ununterbrochen klingelt das Telefon. Ein gutes Zeichen, dass sein noch junges Geschäft bereits lebhaft läuft. Vor rund einem Jahr hat sich der Spenglerpolier selbständig gemacht. In seinem Betrieb beschäftigt er inzwischen zwei Festangestellte und einen Teilzeitmitarbeiter. Keine Bedenken, dass er als Jungunternehmer kaum mehr die für den Sport notwendige Zeit findet? „Ich habe vorher als Angestellter eine Abteilung mit 12 bis 15 Leuten geleitet, und das war mindestens so anstrengend wie mein heutiger Job“, erklärt er. Das eigene Geschäft, das hätte zwar nicht unbedingt sein müssen, lässt er durchblicken, doch als sich die Chance dafür ergeben habe, habe er sie eben gepackt.

Im Büro ist die Sportlerkarriere unübersehbar. Mit den vielen Treicheln, welche die Wände schmücken, könnte man glattweg einen grösseren Verein ans Chlausjagen oder zwei Kuhherden auf die Alp schicken. Obwohl es kaum mehr freien Platz gibt für zusätzliche Trophäen, kann man darauf wetten, dass noch weitere hinzukommen werden. Mit 33 Jahren befindet sich Grab zwar im Herbst seiner Karriere, aber vielleicht hat er den Höhepunkt noch vor sich. Bis zum nächsten Eidgenössischen in Burgdorf will er jedenfalls weitermachen. Er wird dort 2013 nochmals versuchen, Schwingerkönig zu werden. Es ist ein Ziel, das er 2010 in Frauenfeld nur knapp verpasst hat. An den damals gegen Kilian Wenger verlorenen Schlussgang blickt er heute mit gemischten Gefühlen zurück.

Doch die Enttäuschung hat er längst verdaut, und der verlorene Kampf verfolgt ihn auch nicht weiter in seinen Träumen. „Es gibt jedoch durchaus Gänge, die man sein Leben lang nicht vergisst“, räumt er ein. Zum Beispiel? „Ich denke an einen verlorenen Schlussgang am Schwarzsee-Schwinget. Hätte ich damals gesiegt statt verloren, dann hätte ich jetzt sämtliche Bergschwinget mindestens einmal gewonnen.“ Es gibt also noch Lücken und weisse Flecken auf dem Leistungsblatt des Schwingers, der mit 104 Kränzen, 53 gewonnenen Rangschwingfesten und 30 Kranzfestsiegen unbestritten zu den ganz Grossen im Sägemehlring gehört.

Gelassen und unaufgeregt wirkt dieser Sieggewohnte, wo immer er auftritt. Zumindest optisch ist er kein «Böser». Doch in sportlicher Hinsicht trügt der Schein: Seit 16 Jahren lehrt er im Sägemehl jeden Gegner das Fürchten und packt erbarmungslos zu, wenn sich eine Chance bietet.

Die Serie Schwingerwoche mit Martin Grab wird am Donnerstag, 20. Dezember, mit Teil 4 fortgesetzt. 

Schwinger

grabmartinGrab Martin, Rothenthurm

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